Das erste Weihnachtsfest allein zu Hause. Tamara Küng, ihrem Mann und den sechs Kindern beschert es „ein gutes Gefühl“. Nämlich jenes, es geschafft zu haben. Vor drei Jahren sah die Welt noch ganz anders aus. Die Existenz in Trümmern. Die Seelen krank. Die Geschwister knapp davor, auseinandergerissen und bei fremden Menschen untergebracht zu werden. Im SOS-Kinderdorf in Dornbirn fand die Großfamilie schließlich jenen Halt, den sie brauchte, um wieder auf die Füße zu kommen.
Hilfe gesucht
Das alte Haus bebt, wenn der quirlige Nachwuchs durch die niederen Räume stürmt. Doch Tamara und Manfred Küng haben die Ruhe weg und schon zu viel hinter sich gebracht, als dass sie Kinderlärm noch aufregen könnte. Im September sind sie nach Altach gezogen. Ein Neubeginn. Tamara berichtet von „verschiedenen Umständen“, die ihr Leben durcheinander brachten. Zwei gescheiterte Ehen, ein halbes Dutzend Kinder, dem Terror des Exmannes ausgesetzt. Mit 32 Jahren war sie „fast am Boden“. Auch den vier Mädchen und zwei Buben ging es angesichts der familiären Turbulenzen schlecht. Nicht viel besser sah es bei Manfred aus, den sie während dieser schwierigen Zeit kennenlernte.
Doch ganz unterkriegen lassen wollte sich die sechsfache Mutter nicht. Aus eigenem Antrieb fand sie den Weg zum Institut für Sozialdienste (IfS). „Dort wurde mir der Vorschlag gemacht, ins SOS-Kinderdorf nach Dornbirn zu ziehen“, erzählt Tamara Küng. Wo gerade neu das Projekt „Betreute Gastfamilien“ anlief. Während eines zwei- bis dreijährigen Aufenthaltes werden Kinder und Eltern von einem Team so weit begleitet, dass sie wieder im normalen Alltag bestehen können. „Wichtig ist, alle Bereiche aufzuarbeiten, die zur Belastung und Überforderung geführt haben“, erklärt Projektleiterin Luise Höfle.
Mitarbeit gefordert
Dazu braucht es allerdings die intensive Mitarbeit der Betroffenen. Tamara und Manfred mussten nicht gebeten werden. „Sie kooperierten sehr gut“, bestätigt Höfle. Das Paar heiratete sogar im Kinderdorf. „Am 1. Juli 2005″, sprudelt es aus Manfred heraus. Der mitgebrachte reichliche Kindersegen war nie ein Problem für ihn. Im Gegenteil. Er hat mit den Mädchen und Buben die problematische Lage immer wieder durchgesprochen. Und das Verhältnis könnte mittlerweile inniger nicht sein. In den Sommerferien war es dann da, das Gefühl, es alleine zu schaffen. „Aber wir brauchten die Zeit davor dringend“, sagt Tamara Küng.
Luise Höfle leitete alles für den Umzug in die Wege. Auch heute schaut sie noch regelmäßig vorbei und ist „jederzeit willkommen wie eine gute Freundin“. Im Jänner endet das Betreuungsverhältnis. Dann übernimmt das IfS.
Große Nachfrage
Höfle freut sich über den Erfolg. „Er zeigt, dass auch in schwierigen Situationen noch viel möglich ist“, meint sie. Beim Projekt „Betreute Gastfamilien“ handelt es sich um das einzige derartige Angebot im Land. Die Jugendwohlfahrt greift darauf zurück, wenn alle anderen Stricke schon gerissen sind. Und das tun sie immer öfter. Die Nachfrage ist jedenfalls groß.
Anmerkung der Kleinen Lisa
Warum geht das nicht in jedem SOS Kinderdorf? Dann müsste man Geschwister nicht trennen und Familien nicht zerreißen!!!
Quelle: Vorarlberger Nachrichten
Tolle Sache aber leider nur ein grausamer Einzelfall
Gastfamilien gibt es auch in den SOS-Kinderdörfern in Kärnten und in der Steiermark
Da müssten die SoS Kinderdörfer sehr viel freie Häuser haben wenn sie alle sozial schwachen Familien aufnehmen sollten. Das ginge ja nie. Aber tolle Sache vom SoS Kinderdorf.
gibts auch in der hinterbrühl!